Neues Jahr, neue Hetze? Nicht mit uns!

Vielfältige gesellschaftliche Aktivitäten für eine demokratische offene und solidarische Gesellschaft des Bündnisses „Zivilcourage und Menschenrechte“ im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt (zumsaru) wurden am 13. Dezember im Augustinerkloster in Erfurt von Bildungsministerin Klaubert mit einem Anerkennungspreis beim Thüringer Demokratiepreis geehrt.

Jan Rabel nahm den Preis gemeinsam mit Thomas Endter in Erfurt entgegen. Zugleich gratulierten die Vertreter des Bündnisses den anderen Engagierten, allen voran Heike Döbler, die den 1. Preis erhielt und zuletzt am 3. September zur zumsaru-Podiumsdiskussion „Anstieg rechter Gewalt und wie Zivilgesellschaft reagieren soll“ in Saalfeld zu Gast war.

„Damit geht das Jahr 2016 mit einem positivem Ereignis für das Bündnis zu Ende. Wir haben im zurückliegenden Jahr viele Menschen mit unserem Eintreten für eine vielfältige, solidarische und demokratische Gesellschaft erreichen können. Die Durchführung und Mitwirkung von Veranstaltungen und die immer präsente entschlossene Ablehnung der menschenverachtenden Ideologie äußerst rechter Gruppierungen bildete in diesem Jahr, wie gleichermaßen die vielfältige Unterstützung geflüchteter und von rechter Gewalt betroffener Menschen, die Schwerpunkte unserer Aktivitäten.“ Blickt Jan Rabel auf das Jahr 2016 zurück.

Thomas Endter fügt hinzu: „Der Anerkennungspreis gebührt allen in der Region Saalfeld-Rudolstadt, die aktiv für demokratische und mitmenschliche Grundwerte eintreten und demokratiefeindlichen Ideologien entgegenstehen. Die Hetze rechter Zusammenschlüsse wird auch mit dem Jahreswechsel nicht verschwinden, sondern jene Gruppen werden 2017 erneut versuchen die politischen Debatten zu ihren Gunsten zu beeinflussen. So bleibt es auch im neuen Jahr geboten diesen Positionen zu widersprechen.

Der erste Termin für einen Aufmarsch der äußerst rechten „Thügida-Bewegung“ bzw. deren Ableger „Wir lieben den SOK“ steht bereits für den 9. Januar um 17 Uhr in Saalfeld fest. Das Verbreiten einer neonazistischen Ideologie werden wir aufs Neue nicht unwidersprochen geschehen lassen. Deshalb werden wir uns an diesem Tag ab 16:30 Uhr auf dem Marktplatz und 17:30 Uhr am Klubhaus der Jugend versammeln, um diesem Treiben entschlossen zu begegnen.

Nationalsozialistische oder völkische Ideologien wie sie bei „Thügida“ offen als „einfacher Lösungsansatz für aktuelle Krisen und Probleme artikuliert werden, sind weder Fortschritt noch Verbesserung. Sie zielen auf einen gesellschaftlichen Rückschritt ab, der abgewendet werden muss.

Wir tragen dazu bei die Menschen in unserer Region zu einem Engagement für Weltoffenheit und Demokratie, gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung zu motivieren und so für eine lebenswerte Gesellschaft zu streiten.

Bündnis ruft Zivilgesellschaft zu Protesten gegen Neonazi-Aufmarsch am 19. November im Saalfelder Stadtteil Gorndorf auf

CC BY SA zumsaru

» „Herz statt Hetze – gegen geistige Brandstiftung und rechte Gewalt!“ «

Unter diesem Motto wirbt das Bündnis „Zivilcourage und Menschenrechte“ im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt für zwei angemeldete Veranstaltungen, die sich am Donnerstag, den 19. November ab 17 Uhr gegen die vierte Neonazi-Demonstration innerhalb der letzten sechs Wochen im Landkreis richten.

Mit einer Standkundgebung neben dem Ärzt*innenhaus Gorndorf (Rathenaustraße 11) in der Albert-Schweitzer-Straße thematisiert das Bündnis das Schüren von Ängsten durch äußerst rechte Gruppierungen wie „THÜGIDA“. Der daraus entstehende Hass, der von diesen Gruppierungen Woche für Woche auf die Straßen getragen wird, bildet oftmals das Fundament rechtsmotivierter Straftaten.

Barbara Muthmann vom Bündnis „Zivilcourage und Menschenrechte“: „Viele Menschen in und um Saalfeld sprechen nicht gern von den neun­zi­ger Jah­ren, als Gorndorf als eine der größten Neonazi-Hochburgen Schlagzeilen machte, als am 26. März 1998 die 14-jährige Jana G. durch einen 15-jährigen Sympathisanten der rechten Szene ermordet wurde, als es zu dieser Zeit nicht „fein“ war Nazistrukturen zu thematisieren, denn im schlimmsten Fall könnte das Ansehen der Region Schaden nehmen. Wir wiederholen diese Fehler bei der Auseinandersetzung mit rechten Strukturen nicht. Wir thematisieren den erneuten Zulauf der rechten Szene, informieren mit unserer Kundgebung über die gezielte Erzeugung und Beförderung von Ängsten in der Gesellschaft und setzen somit ein deutliches Zeichen gegen Nazi-Hetze und Rassismus“. Erst in den letzten Wochen wurden wieder in großer Stückzahl Neonazi-Plakate und Aufkleber in Gorndorf verklebt. Aus dem Stadtteil stammende Mitglieder der rechten Szene bedrohten wiederholt alternative Jugendliche und traten auch bei Aufmärschen in anderen Thüringer Städten aggressiv auf.

Unterhalb des Jugend- und Stadtteilzentrums, neben dem Parkplatz der Dreifelderhalle, positioniert sich das Bündnis mit Unterstützung des DGB zu einer weiteren Kundgebung gegen den Aufmarsch der Nationalsozialisten, der wie schon am 2. Oktober im Nachbarort Rudolstadt durch NPD-Kreisrätin Mandy Meinhardt angemeldet und durch den Thüringer NPD Landesverband beworben wird. Bernhard Hecker, DGB-Kreisvorsitzender und Mitglied im Bündnis hierzu: „In den letzten Wochen beteiligten wir uns an einer Vielzahl kreativer Protestformen gegen die Nazi-Aufmärsche von „THÜGIDA“ und NPD-Kreisrätin Mandy Meinhardt. Für Saalfeld erwarten wir erneut einen aggressiven Nazi-Demonstrationszug, der in erster Linie versuchen wird Menschen hinter den Gardinen mit rassistischer Hetze zu erreichen. Dieser Hetze stellen wir uns entschlossen entgegen und rufen alle Menschen dazu auf, sich an unseren Protestangeboten zu beteiligen“.

Über das Internet stellt das Bündnis auch am Demonstrationstag des 19. Novembers Informationen zur Anreise, den Veranstaltungsorten und weiterführende Informationen unter www.zumsaru.de bereit. Zudem berichtet das Bündnis live am Veranstaltungstag über den Kurznachrichtendienst Twitter von den Ereignissen des Tages unter: twitter.com/zumsaru.

Zur Facebook-Veranstaltung

Bündnis bittet Zivilgesellschaft um Mithilfe bei Aufklärung rechter Straftaten

Es beginnt mit rassistischen Parolen am Stammtisch, am Arbeitsplatz oder in Vereinen in Wechselwirkung mit einschlägigen Hetzkommentaren im Internet. Es folgen Aufrufe zu Demonstrationen wie zuletzt in Rudolstadt, als NPD-Kreisrätin Mandy Meinhardt 350 Personen für den Hass gegen Menschen, die vor Krieg, Hunger und Elend geflohen sind, begeistern konnte.

Hetzkommentare und Morddrohungen, die bisher über das Internet oder per Post an Menschen verschickt wurden, die sich für Solidarität mit Geflüchteten und gegen Nazis einsetzen, stehen nun mit großen Buchstaben an Fernwärmeleitungen, einer Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete und weiteren Objekten im Landkreis.

Der Pressesprecher des Bündnisses „Zivilcourage und Menschenrechte“ im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, Thomas Endter, hierzu: „Diese wiederholten Drohungen gegen Engagierte und den immer offener gezeigten Hass verurteilen wir auf das Schärfste. Hier ist der Hass nicht mehr „nur“ allgemein, sondern konkret gegen die Landtagsabgeordnete Katharina König und gegen andere Unterstützer*innen von Flüchtlingen gerichtet. Wir stehen uneingeschränkt solidarisch neben Katharina König und den Betroffenen von Neonazi-Gewalt. Wir rufen unsere Unterstützungskreise und Freund*innen auf, ebenfalls ihre Solidarität zu bekunden. Wir fordern die Zivilgesellschaft auf, an der Aufklärung der Straftaten mitzuwirken.“

Das Bündnis „Zivilcourage und Menschenrechte“ vernimmt nach der rassistischen Demonstration am 2. Oktober in Rudolstadt im Landkreis täglich rassistisch motivierte Schmierereien, Aufkleber- und Plakataktionen , Gewalt und Anfeindungen gegen Geflüchtete und Menschen, die sich für Geflüchtete einsetzen. Eine bebilderte Chronik der bisher bekannten Vorfälle steht unter www.haskala.de bereit. Inzwischen wurde bekannt, dass es bereits anderthalb Stunden nach Beendigung der fremdenfeindlichen Demonstration in Rudolstadt zu einem offenbar gezielten Neonazi-Überfall in Saalfeld kam. Innerhalb von knapp 48 Stunden wurden zwei junge Frauen im Alter von 16 und 17 Jahren Opfer von rechts motivierten Gewalttaten. Sie wurden dabei als „Scheiß Zeckenfotze“ beschimpft, mit Schlägen und Tritten verletzt.
Das Ziel dieser neonazistischen Angriffe liegt klar auf der Hand. Es werden Menschen, die nicht in das Bild der Nazis passen auf allen Ebenen angegriffen. Wer sich gegen diese Angriffe ausspricht und damit klar positioniert muss mit Einschüchterungsversuchen und gewalttätigen Übergriffen rechnen. Endter gibt zu bedenken: „Eine Gesellschaft, die Hass und Gewalt gegenüber anderen Menschen unwidersprochen zulässt, untergräbt ihr ziviles Fundament. Dieser Zustand hat in der Geschichte bereits mehrfach gezeigt, dass sich so Gewalt und Repression frei entwickeln können. Ein Zustand den wir nicht tolerieren. Wir fordern eine umfassende und konsequente Ermittlung in den genannten Fällen.“ Weiter führt Endter fort: „In den nächsten Wochen werden wir mit unseren Unterstützer*innen und Freunden verstärkt im öffentlichen Raum präsent sein und zeigen, dass wir uns entschlossen gegen diese neonazistischen Netzwerke stellen.“

Zeug*innen, die verdächtige Personen oder Fahrzeuge bemerkt haben, die mit den oben genannten Taten in Verbindung stehen könnten, werden um sachdienliche Hinweise bei der Kriminalpolizei Saalfeld unter 03672/417-1464 gebeten.

Statements von Personen des öffentlichen Lebens aus der Region anlässlich der Proteste gegen den Naziaufmarsch

Das Bündnis „Zivilcourage und Menschenrechte“ im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt lädt am 1. Mai 2015, anlässlich des überregionalen Neonazi-Aufmarsches in Saalfeld, alle Menschen aus der Region ein, nicht wegzuschauen, sondern sich gemeinsam an den unterschiedlichsten Protestaktionen zu beteiligen und sich zu einer weltoffenen, vielfältigen und solidarischen Gesellschaft zu bekennen. Auch einige bekannte Personen aus der Region positionieren sich hierzu. Hier ein paar Beispiele:

Marko Wolfram, Landrat im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt:
„Ich setze mich ein für eine Kultur des Willkommens in unserem Landkreis, ich möchte, dass sich die hier lebenden Menschen wohl fühlen und Gäste gern zu uns kommen und sich auch Fremde hier gut aufgehoben fühlen.“

Jörg Reichl, Bürgermeister der Stadt Rudolstadt:
„Ich unterstütze die Proteste am 1. Mai gegen den Naziaufmarsch in Saalfeld und werde persönlich dabei sein, um ebenfalls deutlich zu machen, dass wir im Städtedreieck eine weltoffene und tolerante Gemeinschaft sind, die rechtsradikalem Gedankengut eine klare Absage erteilt.“

Sieglinde Beier-Camara & Redaktion MARCUS Verlag:
„In Saalfeld sollte keiner Angst haben müssen, auf der Straße unterwegs zu sein – nicht am 1. Mai und an keinem anderen Tag des Jahres. Wir unterstützen die Aktionen des Bündnisses für Zivilcourage und Menschenrechte, die zeigen, dass rechte Hetze nicht einfach hingenommen wird, sondern sich viele Menschen für ein friedliches Miteinander und das gemeinsame Suchen von Lösungen einsetzen.“

Silvio Bergmann & Kay Sprenger, Restaurant K*Star Saalfeld:
„Lieber Menschenrechte, als rechte Menschen! – WIR für ein buntes Saalfeld.“

Weltumradler Axel Brümmer & Peter Glöckner, Verlag Weltsichten in Kaulsdorf:
„Wir sind gerade in Guayana, einem Land mit Hindus, Moslems, Indianern, Afrikanern und Europäern. Ein tolerantes Miteinander ist möglich!“

Didi Bujack, Radio SRB:
„Ich bin am 1. Mai mit dabei: für eine menschliche, tolerante, weltoffene & freundliche Heimat im Städtedreieck, ohne Diskriminierung, Geringschätzung, pauschale Vorurteile & Gewalt. Denn „aufrecht stehen“ ist eine Haltung des Körpers – Zivilcourage ist eine Geisteshaltung!“

Andreas Grünschneder, Fraktionschef DIE LINKE im Kreistag:
„Wir alle haben uns auseinanderzusetzen mit Geschichtsrevisionismus und mit allen Ideologien, die von einer Ungleichwertigkeit der Menschen ausgehen. Deswegen bin ich am 1. Mai an der Seite des Bündnisses für Zivilcourage und Menschenrechte im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.“

Tischlerei Hantschel, Saalfeld:
„Wir stehen für ein friedvolles und harmonisches Miteinander. Deshalb unterstützen wir die Proteste am 1. Mai.“

Heaven Shall Burn, Hardcore-Band aus Saalfeld:
„Wir unterstützen die Proteste gegen den Naziaufmarsch am 01.05. in Saalfeld, weil Rassismus, Faschismus, Antisemitismus, Homophobie und sämtliche anderen menschenfeindlichen Geisteshaltungen nirgends auf der Welt akzeptiert werden dürfen.“

Dr. R. Heerdegen, langjähriger Arzt im Saalfelder Krankenhaus:
„Ich unterstütze die Proteste am 01. Mai in Saalfeld/Saale gegen den Naziaufmarsch, weil diese Unverbesserlichen nichts aus der Geschichte gelernt haben und dies auch nicht wollen!“

Dr. Dirk Henning, Direktor des Saalfelder Museums:
„Wer sich wie ich jeden Tag mit unserer Geschichte beschäftigt, der weiß: ‚Wehret den Anfängen!‘ Freiheit, Menschenrechte und Demokratie müssen stets aufs Neue verteidigt werden.“

John Kallenbach, Kickboxer:
„Sport verbindet Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Hautfarbe. Im Sport sind wir alle gleich. Lasst uns gemeinsam gegen Rassismus vorgehen und für mehr Toleranz kämpfen.“

Steffen Mensching, Intendant des Thüringer Landestheater Rudolstadt:
„Unantastbar: Artikel 1 des deutschen Grundgesetz.“

Matthias Graul, Bürgermeister der Stadt Saalfeld

„Wir pflegen in unserer Stadt seit Jahren eine Kultur des Miteinanders. Die Zivilgesellschaft Saalfelds steht für gegenseitige Achtung und Toleranz, Solidarität und Rücksichtnahme sowie für die selbstbewusste, freie Entfaltung aller Bürger und Einwohner. Fremdenfeindliches und rassistisches Denken und Handeln werden nicht akzeptiert und nicht einfach hingenommen. Deshalb werden wir allen Versuchen, hier braunes Gedankengut zu verbreiten, bestimmt entgegentreten. Neonazis, die aus unserer Geschichte nichts gelernt haben, haben in Saalfeld nichts verloren. Dafür setze ich mich aus Überzeugung ein und nehme deshalb an der Demonstration ‚Für eine solidarische Gesellschaft, Vielfalt und Weltoffenheit statt Neonazimus und Fremdenhass – Saalfeld stellt sich quer‘ teil.“

Petra Rottschalk, Tanz & Folkfest / TTF:
„Ich unterstütze die Proteste am 1. Mai gegen den Naziaufmarsch, weil ich mir einen bunten, weltoffenen Landkreis wünsche. Den Ausländer Schiller hätte es nie hierher verschlagen, wenn nicht eine gastfreundliche Thüringer Familie ihm Asyl gewährt hätte.“

Christian Sparsbrod, Pfarrer und Klinikseelsorger:
„Ich unterstütze die Proteste am 1. Mai, weil ich mich verbunden weiß mit Menschen wie Dietrich Bonhoeffer und vielen anderen, die vor mehr als 70 Jahren Widerstand geleistet haben gegen eine faschistische Ideologie. Ich möchte nicht, dass Deutschland ein zweits Mal von Nazis zerstört wird, vor allem nicht die Demokratie in Deutschland und Europa. Menschen, die bei uns Asyl suchen, brauchen unserer Hilfe mit Essen und Trinken, Kleidung, Obdach und Zuwendung. Das sind für mich christliche Werte.“

Steffen Teichmann, Life Fitness & Gesundheitsclub Saalfeld:
„Die Unterstützung der Proteste gegen den geplanten „Naziaufmarsch“ am 1. Mai ist für mich selbstverständlich. Jeder Bürger der möchte, dass sich dieses „braune Kapitel unserer Geschichte“ nicht wiederholt, muss am 1 Mai aktiv werden.“

Die Auflistung ist natürlich nicht vollständig, zahlreiche weitere Persönlichkeiten aus der Region wollen die Proteste am 1. Mai unterstützen, auch die Bürgermeister der Städte Bad Blankenburg und natürlich Saalfeld. Weitere Statements werden am 1. Mai ausgehangen, z.B. auf der Demokratiemeile ab 10 Uhr am Markt.

– Zur Überblick-Seite 1. Mai 2015 / Saalfeld geht es hier lang

Selbstverständnis vom Bündnis ist online

BÜNDNIS „Zivilcourage und Menschenrechte“ im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt / Selbstverständnis

Das Bündnis „Zivilcourage und Menschenrechte“ im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt wurde im Herbst 2014 von Menschen aller Altersgruppen gegründet und umfasst engagierte Privatpersonen und Vertreter_innen aus Vereinen und Initiativen, Kirchen, Parteien, Jugendarbeit, Politik, Wirtschaft und Schulen. Unser Bündnis ist parteiunabhängig, hier treffen sich Menschen unabhängig von ihrer politischen, kulturellen oder religiösen Prägung. Uns eint jedoch der Anspruch, uns für Menschlichkeit, Vielfalt, Zivilcourage und Solidarität stark zu machen. Unser Bündnis lädt ausdrücklich weitere Partner ein.

Wir registrieren, dass in unserer Region zunehmend und offen rassistische Äußerungen, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit aber auch Neonazismus in verschiedenen Formen zutage treten. Wir widersetzen uns Ideologien der Ungleichwertigkeit des menschlichen Lebens im öffentlichen, politischen und kulturellen Raum. Wir engagieren uns gegen jegliche Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und menschenverachtendem Gedankengut, gegen alte und neue Nazis, Fremdenfeindlichkeit, Nationalismus, Sexismus, Homophobie, Antisemitismus und Antiziganismus.

Wir treten Neonazis und anderen Menschenfeinden entschlossen und mit vielfältigen Aktionen entgegen. Den so genannten ‘Extremismusbegriff’ betrachten wir als kontraproduktiv. Wir sagen Nein zum Verharmlosen, Wegschauen und Verschweigen und wir sagen Nein zur Bewertung von Menschen nach Nützlichkeitskriterien.

Wir stehen ein für eine gelebte Willkommenskultur und unterstützen die Aufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung über menschenverachtende und antidemokratische Einstellungen. Deswegen unterstützen wir die Förderung von alternativen Kulturen und demokratische Bildung.

Als Bündnis wollen wir dazu beitragen, die Menschen in unserer Region zu einem aktiven Eintreten für Weltoffenheit und Demokratie, gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung zu motivieren.

Bürgerbündnis im Landkreis zur Landtagswahl: Keine Entwarnung für NPD und getarnte Menschenfeindlichkeit in der AfD

„Erfreulicherweise konnte die NPD bei der Landtagswahl 2014 nicht in das Parlament einziehen und musste Verluste hinnehmen, die Ideologie und die Unterstützer sind aber nach wie vor aktiv und präsent. Gerade in Landkreis Saalfeld-Rudolstadt erzielte die extrem rechte Partei auch Ergebnisse über dem Landesdurchschnitt“ berichtet Thomas Endter, stellvertretend vom Bündnis für Toleranz und Zivilcourage, gegen Neonazismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Während die NPD landesweit auf 4,6% der Erststimmen kam, erhielt sie im hiesigen Kreis 6,1%. Bei den Zweitstimmen waren es 3,6% im Land und 4,7% in unserem Landkreis. „Nach wie vor verfügt die Partei über Rückzugsorte in der Region, in denen der Wähleranteil im beginnenden zweistelligen Bereich liegt, so in Deesbach (12,8%), in Schwarzburg (11,1%) oder in Schmiedefeld (10,1%), und hinter jedem Prozentpunkt steht die Zustimmung zu einer menschenfeindlichen Ideologie“ so Herr Endter für das Bündnis. Gerade in den letzten Wochen seien auch in unserem Landkreis mehrfach Menschen durch die NPD bzw. durch ihre Akteure bedroht worden.

Besonders erschreckend sei jedoch die hohe Zustimmung für die AfD, welche in Thüringen 10,6% und im Landkreis auf 12,3% kam. „Die Partei versuchte Protestwähler aus allen Lagern zu locken, doch hinter den scheinbar harmlosen Parolen verbergen sich rechtspopulistische Inhalte und verschiedene Formen von Diskriminierung, die -wie im Wahlkampf sichtbar wurde-, denen der NPD erschreckend ähneln“, so Gabriel Zellmer vom Bündnis, der auch auf das Spitzenpersonal der AfD verweist. Im Frühjahr erklärte der ehemalige Thüringer AfD-Sprecher Matthias Wohlfahrt, dass eine Abneigung gegenüber Ausländern „biologisch“ normal sei und äußerte im Deutschlandfunk Verständnis dafür, wenn Flüchtlinge in Deutschland zusammengeschlagen werden. Der derzeitige AfD-Spitzenkandidat zur Landtagswahl, Björn Höcke, bemüht sich „Überfremdungsängste“ in der Bevölkerung zu schüren, in dem er ausgerechnet in Thüringen, dem Bundesland mit dem geringsten Ausländeranteil (1,8%) davon spricht, dass das Deutsche Volk vor dem Aussterben stehe und die AfD der evolutionäre und revolutionäre Retter sei.

Kurz nach der Landtagswahl ist das Thüringer Bundesvorstandsmitglied Michaela Merz aus der AfD ausgetreten, weil die Partei massive Ängste gegen „Nachbarn in Osteuropa“ und Muslime schüre. „Leider sind auch bei uns im Landkreis viele Menschen diesen Phrasen auf den Leim gegangen, in einzelnen Gemeinden erhielt die Partei zur Landtagswahl 20-30 Prozent der Stimmen, beispielsweise in Lichte oder in Hohenwarte. Unser Ziel ist es über diese Formen der Menschenfeindlichkeit aufzuklären und die Menschen im Landkreis einzuladen, ihre Stimme bei jeder Art von Diskriminierung und Ausgrenzung zu erheben und die stumpfen Thesen zu hinterfragen um diesen dann in der Konsequenz zu begegnen und zu widersprechen. Denn weder die NPD noch die AfD sind Alternativen, wenn das Ziel eine menschlichere, sozialere Gesellschaft ist“ so Zellmer abschließend.

Proteste gegen Rechts auf dem Saalfelder Markt erfolgreich

Das sich gerade konstituierende Bündnis für Toleranz und Zivilcourage, gegen Neonazis und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt resümiert die Proteste am 8. September 2014 auf dem Saalfelder Markt als gelungenes und starkes Zeichen für eine tolerante, weltoffene, vielfältige und demokratische Gesellschaft. Über 250 Bürgerinnen und Bürger demonstrierten auf dem Markt gegen eine angemeldete NPD-Kundgebung, doch die Neonazis kapitulierten vor dem Protest und wagten sich nicht in die Innenstadt. Bereits gegen 11.30 Uhr entsandte der NPD-Kreisverband Saalfeld-Rudolstadt über das soziale Netzwerk „Facebook“ eine Warnung an die anreisenden Neonazis, sie mögen besser nicht in die Innenstadt kommen.

Dort hatten sich zahlreiche Menschen aus verschiedensten Altersgruppen und gesellschaftlichen Schichten versammelt, um mit Redebeiträgen, dutzenden Schildern und Transparenten sowie mit Protest in verschiedensten Variationen gegen die NPD und ihre rassistischen Parolen zu demonstrieren. Kurzfristig verlegte die NPD ihren Veranstaltungsort

nach Gorndorf, wo ca. 20 Personen an der neonazistischen Kundgebung teilnahmen. Um die Innenstadt machten sie einen weiten Bogen. Das Bündnis stuft die selbstgewählte Kundgebungs-Verlegung der NPD als ersten Teilerfolg ein und bedankt sich bei allen anwesenden Menschen für ihre Teilnahme. „Wir werden weiter daran arbeiten, dass Neonazis und Rassisten der verschiedensten Couleur nirgendwo ungestört ihre menschenverachtenden Hetzparolen verbreiten können und rufen auch dazu auf, am kommenden Mittwoch dem 10. September um 13 Uhr die Proteste gegen die NPD-Kundgebung in Rudolstadt nahe dem Markt zu unterstützten“, so Thomas Endter, stellvertretend für das Bündnis.

Gerade vor dem Hintergrund der hohen Ergebnisse zur letzten Landtagswahl im Jahr 2009 für neonazistische Kandidaten im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt ruft das Bündnis dazu auf, Neonazis keine Stimme zu geben. Die Wahl extrem rechter Parteien sei weder eine politische Alternative noch Protest.

Bündnis im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt ruft zum Protest gegen NPD-Kundgebungen am 8.9. & 10.9. in Saalfeld und Rudolstadt auf

Nazi Gegendemo

Aufruf an alle Menschen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt:  Setzen Sie mit uns gemeinsam ein Zeichen – für eine weltoffene, vielfältige und demokratische Gesellschaft! Für Toleranz und Zivilcourage, gegen Menschenverachtung und Neonazismus. Wir Bürgerinnen und Bürger, Vertreter aus Vereinen und Initiativen, Kirche, Jugendarbeit, Politik, Wirtschaft und Schulen aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt verfolgen das Ziel, eine dauerhafte landkreisweite Vernetzung von Menschen zu realisieren, die sich für Zivilcourage und gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit  einsetzen. Wir registrieren, dass in unserer Region zunehmend und offen rassistische Äußerungen, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit aber auch Neonazismus in verschiedenen Formen zutage treten. Die NPD und andere rechte Gruppen, wie das “Freie Netz Saalfeld” vertreten  offen eine menschenverachtende Ideologie. Das tolerieren wir nicht! Wir sagen NEIN, wenn Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe, ihrer ethnischen oder sozialen Herkunft, ihrer äußerlichen Erscheinung, ihrer Sprache, Religion oder Weltanschauung, Behinderung oder sexuellen  Orientierung bedroht, beleidigt oder ausgegrenzt werden. Wir sagen NEIN zu jeglicher Form des Antisemitismus und Alltagsrassismus. Weiterlesen:

Wir protestieren gegen den zunehmenden Neonazismus und die NPD-Kundgebungen am 8. und 10. September 2014in Saalfeld und Rudolstadt. Dieses Statement ist ein erster Schritt des Bündnisses.  Für eine tolerante, weltoffene, vielfältige und demokratische Gesellschaft! Setzen Sie gemeinsam mit uns ein deutliches Zeichen!

Am Montag dem 8.9. 2014 um 16 Uhr Wo?  Saalfeld, Marktplatz

Am Mittwoch dem 10.09.2014 um 13 Uhr Wo? Rudolstadt, In Marktnähe

Unterstützer/innen:

Lokaler Aktionsplan Saalfeld (LAP)
Grenzenlos. Verein für Menschenrechte e.V.
Vertreter_innen der Evangelischen Kirche
Klubhaus e.V.
Vertreter_innen aus der Jugendarbeit
Antifaschistisches Jugendbündnis Saalfeld
Aktionsbündnis Rudolstadt
Engagierte Bürger_innen und Bürger im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
Freundeskreis Schlossberg 1 e.V.
Breitband- und Mobilfunkinitiative Saalfelder Höhe
Unser Kreis ans Netz – Breitbandinitiative Saalfeld-Rudolstadt
Jugend- und Wahlkreisbüro Haskala
SPD KV Saalfeld-Rudolstadt
DIE LINKE KV Saalfeld Rudolstadt
GRÜNE KV Saalfeld-Rudolstadt
Piraten Thüringen
Jusos Saalfeld-Rudolstadt
Vertreter_innen der Industrie und Wirtschaft im Landkreis
Jugendnetzwerk Bad Blankenburg
Aktive Mitglieder des Arbeitskreises Migration-Integration
Bundesverband Initiative gegen digitale Spaltung -geteilt.de- e.V.