„Die gefälschten Protokolle der Weisen von Zion und ihre Verwendung durch Rechtsextremisten und Islamisten“ – Ein Vortrag von Dr. Michael Blume

© Christlicher Medienverbund KEP

Die Neonazi-Kleinstpartei „Der III. Wegwarb längere Zeit mit den sogenannten Protokollen der Weisen von Zion. Auch in den Reihen der AfD wird sich positiv auf diese Fälschung bezogen: So hält zum Beispiel der Landtagsabgeordnete aus Baden-Württemberg Dr. Wolfgang Gedeon diese Protokolle für glaubwürdig. Doch nicht nur in äußerst rechten und verschwörungstheoretischen Kreisen hat die Schrift wieder Hochkonjunktur. In der arabisch-islamischen Welt erfährt das Buch ebenfalls zunehmende Verbreitung. In den gefälschten Protokollen der Weisen von Zion wird eine weltweite Verschwörung der Juden geschildert, zahlreiche antisemitische Welterklärungen gehen wesentlich auf diese Schrift zurück.

Was hat es mit diesen Protokollen auf sich? Wer erstellte  sie tatsächlich? Seit wann existiert die Annahme einer jüdischen bzw. zionistischen Weltverschwörung? Diesen und weitere Fragen nimmt sich am 8. April um 18 Uhr im evangelischen Gemeindehaus (Am Hohen Ufer 8, 07318 Saalfeld) in seinem Vortrag der Religionswissenschaftler Dr. Michael Blume an.

Zudem befasst er sich damit wie Verschwörungsglauben und Verschwörungstheorien entstehen und welche Gefahren von diesen ausgehen. Letztlich überführt er die Protokolle der Weisen von Zion“, nach eingehender Überprüfung des Wahrheitsgehaltes, der objektiven Falschheit.

Anschließend bietet sich Raum für eine gemeinsame Diskussion mit Dr. Michael Blume und den Veranstaltenden, der evangelischen Kirche Saalfeld und dem Bündnis „Zivilcourage und Menschenrechte“ im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.

 


Informationen zu Dr. Michael Blume können über folgende Kanäle abgerufen werden:


Gefördert und unterstützt wird die Veranstaltung durch:


Unser Ankündigungsbild für die Bewerbung der Veranstaltung:

Bild von Dr. Michael Blume:
© Christlicher Medienverbund KEP


Aufzeichnung per Periscope

Teil 1 – Vortrag
Teil 2 – Diskussion

TIME TO ACT! Aufruf zur Demonstration in Gorndorf, Saalfeld

TIME TO ACT! Solidarität mit den Betroffenen rechter Gewalt!

Fast genau ein Jahr ist es nun her, als die neonazistische Partei „Der Dritte Weg“ am 1. Mai 2015 die an diesem Tag deutschlandweit größte Nazidemonstration in Saalfeld veranstaltete. Ca. 700 Neonazis folgten dem Aufruf und eskalierten an mehreren Stellen in der Stadt. Einige Antifaschist*innen wurden dabei schwer verletzt und selbst die Polizei musste mit Tränengas und Pfefferspray auf die massive Gewalt der rechten Demonstrationsteilnehmer*innen reagieren. Seit diesem Aufmarsch haben sich in Saalfeld neue neonazistische Strukturen gebildet und gefestigt, junge Nachwuchskamerad*innen fühlten sich bestätigt und traten seitdem selbstbewusster und häufiger in Saalfeld auf. Doch nicht nur in Saalfeld trieben sie ihr Unwesen. Auf verschiedenen neonazistischen Demonstrationen im Saalfelder Umland, sowie in Pößneck, Gera und Jena wurden sie immer wieder gesehen. Zwei junge Nachwuchskameraden aus Saalfeld/Gorndorf beteiligten sich außerdem zusammen mit ca. 250 weiteren Neonazis an den pogromartigen Ausschreitungen in Leipzig Connewitz am 11. Januar diesen Jahres.

Auch im Internet versuchen sie sich zwanghaft, z.B. als gefährliche „Anti-Antifa Ostthüringen“, zu inszenieren. Dieser Inszenierung folgten nun Taten in Form gewalttätiger Aktionen. Seit den ersten Nazidemonstrationen (u.A. einem Fackelmarsch vor der Unterkunft für Geflüchtete in Rudolstadt) von Thügida im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt Ende 2015, stieg auch die Zahl der Übergriffe auf vermeintlich politische Gegner*innen und Geflüchtete. Besonders fällt auf, dass sich die Übergriffe in den meisten Fällen gegen Minderjährige richteten.

In den letzten Monaten und Wochen nahmen diese Übergriffe drastisch zu. Jugendliche wurden von in Mehrzahl auftretenden Neonazis attackiert, es gab verschiedene Einschüchterungsversuche an den Wohnorten von vermeintlichen Antifaschist*innen, zahlreiche Nazi-Schmierereien (Hakenkreuze inklusive) im Landkreis, immer wieder Farb– und Pryoattacken auf das linke Jugend- und Wahlkreisbüro Haskala von Katharina König und erst vergangenen Freitag randalierten zwei stadtbekannte Neonazis im Gorndorfer Stadtteilzentrum, in dem ein Mitglied des Bündnisses „Zivilcourage und Menschenrechte“ im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt (zumsaru) arbeitet. Es war ein Angriff mit Ansage, denn eine Woche zuvor wurde der Mitarbeiter von eben jenen Neonazis beim Einkaufen bedroht und zudem eine Kundgebung der Kampagne „last days of april“ gestört.

Es ist festzustellen, dass sich gerade im Saalfelder Stadtteil Gorndorf eine Radikalisierung und Verjüngung der Neonaziszene manifestiert, die scheinbar auch gut vernetzt mit anderen Nazis ist (z.B. aus Kahla). Zudem mischen Nazis, die schon in den 90er Jahren in Saalfeld/Gorndorf ihr Unwesen trieben, bei diesen jungen Leuten mit. Trauriger Höhepunkt der damaligen Gewalt war ein rechts motivierter Mord vor nun 18 Jahren. Mit eben diesem Blick auf die Vergangenheit und auf die aktuellen Entwicklungen ist es umso wichtiger ein klares Zeichen gegen faschistische Umtriebe zu setzen und genau dort aufzutreten, wo sich die neuen und alten Nazis in Sicherheit wähnen.

Wegsehen und Schweigen lässt die Betroffenen von Gewalt und Einschüchterung alleine und ermutigt Täter zu weiteren Aktionen. Außerdem verstärkt es die seltsame Ansicht, neonazistische Ideen wären einfach nur eine Spielart innerhalb der Demokratie. Deswegen rufen wir zu einer antifaschistischen Demonstration am 29. April in Saalfeld/Gorndorf auf. Wir zeigen dadurch unsere Solidarität mit den Betroffenen rechter Gewalt und wirken der  Etablierung eines „Nazi-Kiezes“ entschlossen entgegen! Wir haben keinen Bock auf Angsträume, in denen sich Menschen nicht mehr frei bewegen können und wir zeigen den Nazis, dass sie mit ihrer Taktik scheitern werden.

Außerdem sehen wir diese Demonstration als Auftakt für ein ereignisreiches Wochenende im Rahmen der Kampagne  „Nationalismus ist keine Alternative“, die am 30. April den Bundesparteitag der AfD in Stuttgart und den Aufmarsch der Neonazipartei  „Der dritte Weg“ am 1. Mai in Plauen verhindern will.

TIME TO ACT!

Kommt alle am 29.04.2016 um 17:00 Uhr nach Saalfeld/Gorndorf, Parkplatz Rathenaustraße und zeigt eure Solidarität!

Initiative „Kein Platz für Angsträume“

Alle weiteren Infos gibt’s auf folgenden Seiten:

und:

 

Flyer der Veranstaltung zum Ausdrucken und Verteilen.

1. Mai Nazifrei – Gemeinsam solidarisch und entschlossen in Plauen!

CC BY-NC-SA 2.0 DE Antifaschistische Gruppen des Vogtlands

Seit Mitte Januar mobilisiert die äußerst rechte Szene europaweit zum „Arbeiterkampftag“ für den 1. Mai nach Plauen. Unter dem Motto „Kapitalismus zerschlagen – für einen Deutschen Sozialismus“ zeichnet sich in erster Linie die Partei „Der Dritte Weg“ verantwortlich für die Vorbereitungen des Nazigroßaufmarschs.

Auf der Website dieser Nazi-Partei wird der Aufruf damit erweitert, dass die Teilnehmer*innen, wie schon letztes Jahr in Saalfeld, ein klares Zeichen setzen sollen. Das Ergebnis des klaren Zeichens in Saalfeld sind mehrere Körperverletzungen bei Gegendemonstrant*innen, dementsprechend Dutzende anhängige Ermittlungsverfahren und schwere Fehler beim Vorgehen der Polizei und Ordnungsbehörde.

Neben den militanten und sehr gut vernetzten Neonazinetzwerken im In- und Ausland können die Organisator*innen der bevorstehenden Nazidemo auf lokale Kameradschaften und rechte Bewegungen aus „der Mitte der Gesellschaft“ zurückgreifen. Besonders Zusammenschlüsse wie „Wir sind Deutschland“ ziehen viele Menschen, die offenen und entschlossen Patriotismus nach außen tragen, an. Eine Vielzahl von Nazi-Kameradschaften reiht sich in diese PEGIDA-ähnlichen Bewegungen ein, was in der Folge dazu führt, dass diese Bewegung in Plauen bereits mehrere Großdemonstrationen mit populistischer Hetze gegen Geflüchtete durchgeführt hat. In ähnlicher Konstellation fanden bereits Bürger*innendialoge in Plauen statt, die Nazis vom „Dritten Weg“, der „Heimatschutzbrigade 1 Plauen“, „Wir sind Deutschland“ und der „AfD“ als Plattform für ihre völkisch-rassistischen Positionen missbrauchen. Eine demokratisch konstruktive Debatte ist mit dieser menschenverachtenden Ideologie natürlich nicht möglich. Viel mehr dient diese den Netzwerken als Sprachrohr und Dokumentationsmöglichkeit von politischen Gegner*innen, die sich gegen menschenverachtende Ideolgien aussprechen oder zumindest „neutral“ nicht gegen Geflüchtete argumentieren. Der resultierende massive Anstieg politisch motivierter rechter Gewalttaten im Vogtland, ganz Sachsen und darüber hinaus führt uns die Tragweite dieser Entwicklung vor Augen. In einigen Fällen spricht selbst die sächsische Polizei von Pogromstimmung.

Neben dem AfD-Bundesparteitag, der sich derzeit für den 30. April bzw. 1. Mai in Stuttgart abzeichnet, steht in Plauen der größte Nazi-Aufmarsch bevor, der zu einer überregionalen Gegenmobilisierung führen muss.

Stellen wir uns am 1. Mai gemeinsam, solidarisch und entschlossen mit den vor Ort vertretenen antifaschistischen Gruppen, dem Aktionsbündnis Vogtland gegen Rechts und weiteren anreisenden Antifaschist*innen gegen den Nazi-Aufmarsch, der rassistischen Pogromstimmung und ihrer FANs!

Bild: Antifaschistische Gruppen des Vogtlands
CC BY-NC-SA 2.0 DE
http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/de/

Podiumsdikussion 31.8. Saalfeld: „Der 1. Mai und seine Folgen“

Seit dem 1. Mai 2015 ist nun schon einige Zeit vergangen. Die schockierenden Bilder sind bei vielen Teilnehmenden und Beobachtern der Proteste gegen den Naziaufmarsch in Saalfeld noch immer präsent, ebenso auch einige offene Fragen. Wie konnte es dazu kommen, dass gewaltbereite Neonazis ohne Polizeibegleitung vom Bahnhof in die Stadt liefen und dabei mehrere Menschen durch Übergriffe schwer verletzt wurden? Warum konnten mehrere Hundert Neonazis durch die Stadt marschieren und mehrfach Gegendemonstrant*innen, Journalist*innen und Polizisten*innen attackieren? Welche Strategien verfolgten Ordnungsbehörden, Polizei und Gegendemonstranten an dem Tag? Wie kann die Sicherheit der Zivilgesellschaft künftig bei Protesten gewährleistet werden? Welche Strategien entwickeln Politik, Verwaltung, Sicherheitsbehörden und Gesellschaft -auch im Landkreis- nach dem die Neonazi-Partei „Der Dritte Weg“ ihren ersten Thüringer Stützpunkt in Raum Saalfeld gründete und weitere Aktivitäten durchführt? Und wie treten wir künftig für eine weltoffene und vielfältige Gesellschaft in unserer Region ein?

Diese und weitere Fragen werden Thema der Podiumsdiskussion sein:

Montag 31. August 2015 in Saalfeld, Zeit: 18 bis 20 Uhr

im Sitzungssaal vom Bürger- und Behördenhaus, Markt 6, 07318 Saalfeld.

Gäste auf dem Podium:

Hans-Peter Goltz, Polizeidirektor der Landespolizeidirektion Thüringen
Matthias Quent, Soziologe der FSU Jena und Augenzeugen der
Neonazi-Gewalt am 1. Mai
Marko Wolfram, Landrat vom Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
Thomas Endter, Pressesprecher Bündnis „Zivilcourage und Menschenrechte“, Anmelder der Demonstration „Saalfeld stellt sich quer“
Dirk Löther, Leiter der Landespolizeidirektion Saalfeld
Katharina König, Landtagsabgeordnete (Die Linke), Anmelderin der
Spontan-Kundgebung am Heinrich-Böll-Gymnasium
Vertreter*in Versammlungsbehörde, Landkreis Saalfeld-Rudolstadt
Kristin Pietrzyk, Anwältin für Versammlungsrecht, vertritt Opfer der
Neonazi-Gewalt am 1. Mai in Saalfeld

Moderation: Kathrin Schuchardt (freiberufliche Demokratiepädagogin)

Entsprechend § 6 Abs. 1 VersG sind Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in
Erscheinung getreten sind, von der Veranstaltung ausgeschlossen.

Flyer:

flyer-podium

Landkreis-Bündnis wertet 1. Mai aus: exzessive Neonazi-Gewalt, unverantwortliche Polizeistrategie, Konsequenzen erforderlich

quer-buehneDer öffentliche Fokus zur Neonazi-Gewalt am 1. Mai in Thüringen richtete sich bislang vor allem auf den Überfall durch 40 Neonazis auf eine Gewerkschaftskundgebung in Weimar. Dass es in Saalfeld ebenso zu Attacken und Schwerverletzten durch Neonazis kam, fand erst durch die Veröffentlichung eines Augenzeugenberichtes samt Video breitere Beachtung. Dieser Vorfall ist jedoch nur die Spitze des Eisberges eines zum Teil desaströsen Polizeieinsatz am 1. Mai in Saalfeld. Eine erste Auswertung vom Bündnis „Zivilcourage und Menschenrechte“ im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt:

Bis 12 Uhr ohne Komplikationen – Vielfältiger Protest
Der Vormittag verlief entspannt. Um 10 Uhr setzte sich die Demonstration „Für eine solidarische Gesellschaft, Vielfalt und Weltoffenheit statt Neonazismus und Fremdenhass“ in Bewegung und wuchs auf ca. 1000 Menschen an. Unter den Teilnehmer_innen befanden sich sowohl Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus dem gesamten Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, wie der Landrat, die Bürgermeister des Städtedreiecks und umliegender Gemeinden, als auch viele Vereine und antifaschistische Initiativen teil. Die Demo verlief reibungslos, der Kontakt mit den Sicherheitsbehörden hat hier gut funktioniert. Viele Teilnehmer_innen artikulierten laut, bunt und deutlich, dass die Neonazi-Demonstration vom ‚Dritten Weges‘ unerwünscht sei, aber auch fremdenfeindliches Gedankengut in der Mitte der Gesellschaft nicht hingenommen werden könne“ so Thomas Endter, Pressesprecher des Bündnisses. Die Demonstration führte nach einer Zwischenkundgebung auf dem Markt weiter durch die Stadt, während parallel das Programm auf der Demokratiemeile sowie auch andere Gegenveranstaltungen starteten. In der öffentlichen Diskussion werden mitunter Demonstrationen und Aktionen des zivilen Ungehorsams (z. B. Menschenblockaden) der Demokratiemeile, den Straßenfesten und dem Friedensgebet entgegengestellt. Wir weisen als Bündnis darauf hin, dass all diese Protestformen miteinander verwoben waren, in engem Kontakt standen und das selbe Ziel verfolgten: Einer nationalsozialistischen Ideologie eine Absage zu erteilen und ihr die Straße zu entziehen. Die Veranstalter_innen aller Proteste erklärten sich solidarisch mit den verschiedenen Aktionsformen an diesem Tag und ermöglichten einer großen Anzahl Menschen, auf ihre Weise mitzuwirken.

Was die Sicherheitsbehörden hätten wissen können…
Über 8 Wochen lang, beginnend mit einer ersten Pressemitteilung Anfang März 2015, hatten wir immer wieder öffentlichkeitswirksam darauf hingewiesen, dass angesichts der aktuellen Lage mit deutlich mehr als den angemeldeten 200 Neonazis zu rechnen ist, dass wir realistisch von bis zu 600 Neonazis ausgehen und dass von diesen eine enorme Aggressivität ausgeht. Am 17. April 2015 lud das Bündnis zu einer Informationsveranstaltung ein, bei der ein Journalist und ausgewiesener Kenner aus München vor 70 Besucher_innen im Stadtmuseum Saalfeld ausdrücklich verdeutlichte, dass der Aufmarsch in Saalfeld nicht mit einer NPD-Demonstration vergleichbar ist, bei der die Parteiführung noch den vermeintlichen Anschein eines seriösen Auftretens zu wahren versucht. Veranstalter des Aufmarsches, die Neonazi-Partei der „Dritte Weg“, ist die Ersatzorganisation des 2014 verbotenen Netzwerkes „Freies Netz Süd“ und erweckte bis vor kurzem den Anschein keine Ambitionen zu besitzen bei Wahlen anzutreten. Die Partei organisiert viel mehr „Events“ für gewalttätige Neonazi-Kameradschaften, macht offen Werbung für den Nationalsozialismus und bei vergangenen Aufmärschen der Organisation am 1. Mai fanden routinemäßig immer wieder Gewalttaten und Ausbrüche aus ihren Demonstrationen heraus statt. Für Saalfeld wurde neben dem Auftaktort am anderen Ende der Stadt, über vier Wochen lang öffentlich ein zweiter Treffpunkt in der Neonazi-Szene beworben: 11 Uhr am Saalfelder Bahnhof.

Schwere Gewalttaten durch Neonazis
„Etwa ab 12 Uhr erreichten uns erste Informationen, die ein chaotisches Bild zeichneten. Eine Verkettung von nicht nachvollziehbaren Entscheidungen auf Seiten der Versammlungsbehörde und Polizeieinsatzleitung hatte gefährliche Auswirkungen zur Folge“, fasst Thomas Endter die Eindrücke aus verschiedenen Orten der Stadt zusammen. Sicherlich muss hinterfragt werden, wieso zwischen Anreisetreffpunkt (Bahnhof) und Auftaktort der Neonazi-Demonstration (Sonneberger Straße/Ecke B281) etwa 2km Distanz liegen und im Vorfeld so bewilligt wurden. „In der Konsequenz mussten anreisenden Neonazi-Gruppen diese 2km Strecke per Fuß durch die Stadt zurücklegen. Dies geschah zum Teil von der Polizei unbegleitet und in der Nähe von angemeldeten Gegenveranstaltungen, was von den Neonazis für Gewalttaten ausgenutzt wurde“ so Endter. Bereits gegen 12.30 Uhr kam es aus einer großen Gruppe Neonazis im Bereich des Ebertplatzes zu Angriffen, Eine weitere Gruppe von etwa 70 bis 100 Neonazis traf gegen 12.50 Uhr vom Bahnhof kommend in der Saalstraße ein und marschierte in Richtung der Demokratiemeile und einer Kundgebung der Grünen, die sich davon 150m entfernt befand. Bevor der Neonazi-Mob, ausgerüstet mit Holzstangen und anderen Gegenständen, die Veranstaltungen erreichte, fielen ihm jugendliche Gegendemonstrant_innen vor dem Wahlkreisbüro Haskala zum Opfer. Drei Menschen wurden brutal zusammengeschlagen und zum Teil schwer verletzt. Der Soziologe und Augenzeuge Matthias Quent schilderte später: „In dem Moment war ich überzeugt: Die Nazis schlagen die Jugendlichen tot“. Obwohl zwei Streifenbeamt_innen mit Dienstwaffe in der Nähe waren und auch ein ziviler Kleintransporter der Bereitschaftspolizei eines anderen Bundeslandes zeitweise hinter der Neonazi-Gruppe herfuhr, griff keiner von den Beamt_innen ein. Erst fünf Minuten später näherte sich eine, die ganze Zeit zuschauende Beamtin, den zurückgelassenen Schwerverletzten, welche stark an den Köpfen bluteten, teils ausgeschlagene Zähne, Gehirnerschütterungen und innere Blutungen davontrugen. „Es ist völlig unverständlich, wie es möglich sein konnte, dass an einem solchen Tag bis zu 100 Neonazis aus einem Spektrum, das ankündigte, ‚Wut und Zorn auf die Straße zu tragen‘, unbegleitet durch die Stadt laufen können. Entsetzen der bei den Übergriffen anwesenden Beamt_innen ist menschlich nachvollziehbar, bei Gewalttaten, zumal in dieser Härte, ist ein Eingreifen durch die Polizei jedoch ihre Pflicht, die sie nicht unterlassen kann. Es existieren Dienstanweisungen, denen im Ernstfall Folge geleistet werden muss, wenn Leib und Leben in Gefahr sind, vor allem weil Polizist_innen für derart heikle Situationen ausgebildet werden.“ sagt Sprecher Thomas Endter zu Augenzeugenberichten aus der Saalstraße. „Vollkommen fassungslos macht jedoch die anschließende Entscheidung, die Neonazis weiter durch die Stadt ziehen zu lassen und ihnen somit die Teilnahme am Nazi-Aufmarsch zu ermöglichen, ohne dass es zu Identitätsfeststellungen, erkennungsdienstlichen Behandlungen oder einer anderweitigen Dokumentation der Täter kam, um eine Strafverfolgung zu ermöglichen“.

NS-Verherrlichung, Steine, Flaschen und Eskalation
Zwischen 12 Uhr und 14 Uhr kam es zu weiteren Vorfällen und Angriffsversuchen angereister Neonazis und solchen, die gezielt in der Umgebung des Auftaktortes Ausschau nach ihnen missliebigen Personen hielten. Auch Medienvertreter wurden vereinzelt attackiert und gegen 13.30 Uhr musste eine Traube von Journalisten den Auftaktort verlassen, weil die Polizei dort nicht ausreichend präsent war, um für die Sicherheit zu sorgen. „Als sich der braune Aufzug mit 600-700 Teilnehmernaus dem Raum Saalfeld, dem ganzen Bundesgebiet und teilweise aus dem Ausland dann in Bewegung setzte, machte der „Dritte Weg“ keinen Hehl aus seinen nationalsozialistischen Positionen. Es wurden Parolen wie »1. Mai – seit 1933 arbeitsfrei« und »Nationaler Sozialismus – jetzt« skandiert“ berichtet Thomas Endter. Eine kaum vorhandene Begleitung des Aufmarsches durch Einsatzkräfte hatte weitere Attacken, u.a. Würfe von Flaschen aus dem Aufmarsch auf Gegendemonstrant_innen und Journalisten, zur Folge. Zum Teil wurden Personen getroffen und verletzt. Als die Demonstration am Heinrich-Böll-Gymansium zum Stehen kam, weil eine friedliche Sitzblockade den Weg versperrte, erfolgten weiteren Gewalttaten und Ausbrüche auf Seite der Neonazis. Steine, Flaschen und Pyrotechnik wurden durch Teilnehmer_innen des „Dritten Weges“ geworfen, mit Stangen auf umstehende Personen eingeschlagen. Die Neonazis brachen mit ca. 200 Personen aus und versuchten Gegendemonstrant_innen auch über angrenzende Wohngebiete zu erreichen und zu attackieren. In einem Fall erlitt eine junge Nazigegnerin dadurch Kopfverletzungen. Die Polizei hatte aus Sicht des Bündnisses die Lage nicht mehr im Griff und feuerte gar eine Tränengasgranate in Richtung der Neonazi-Demo, weil diese zeitweise vollends eskalierte. Kurz darauf erfolgte eine Durchsage der Polizei an die Neonazis „Bleibt doch hier. Wir werden hier eine Lösung für euer Anliegen finden“, während zeitgleich mehrere Beamte auf der Straße genauso wie Journalisten und andere Menschen wegrannten, um sich vor den aggressiven Neonazis in Sicherheit zu bringen.

Chaos bei der Polizei – 1. Mai: Drei Neonazi-Demonstrationen in Saalfeld
„Nach dem Neonazis bereits zu Hunderten bei der Anreise durch die Stadt Parolen skandierend und prügelnd marschierten und damit quasi eine erste Demonstration absolvierten, folgte die Hauptdemonstration durch die Sonneberger Straße und nach der Eskalation am Böll-Gymasium noch eine dritte Demonstration für diese gewaltbereite Menge, welche außerhalb des abgegitterten Sicherheitskorridors bis zum Bahnhof quer durch die Stadt genehmigt wurde“ stellt Ines Danzer fest, welche ebenfalls im Bündnis aktiv ist. Aus Sicht des Bündnisses war auch die neuerliche Demonstrationsgenehmigung durch die Innenstadt, vorbei am alternativen Kinder- und Familienfest im Dürerpark sowie am alternativen Treffpunkt „Klubhaus der Jugend“ fatal. „Statt endlich Neonazi-Gewalttäter festzunehmen, wurden diese erneut mit einem Aufmarsch belohnt, wo sie weiter Hassparolen verbreiten konnten. Um die neue Route durchzusetzen wurden alle auf der Strecke befindlichen Personen und Gegendemonstrant_innen mit teils brachialer Gewalt, Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray durch die Polizei geräumt“ berichtet Ines Danzer. Dadurch wurden mehrere Personen verletzt. Insbesondere im Bereich des alternativen Kinder- und Familienfestes am Dürerpark wurden Verletzungen in Kauf genommen, zum Beispiel auch durch ein Polizeifahrzeug, das sich durch die abgesperrte Dürerstraße für das Seifenkistenrennen bewegte, während ein Kind mit Seifenkiste diese grade befuhr. Ältere Menschen wurden umgestoßen, Menschen quer durch das Fest getrieben. Als der Demonstrationszug vom „Dritten Weg“ das Klubhaus erreichte, gab es erneute Angriffe aus der rechten Versammlung heraus. So wurden Flaschen und Steine auf Gegendemonstrant_innen geworfen, eine junge Frau erlitt dadurch am Klubhaus Verletzungen im Bereich des Brustkorbes und musste mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus eingeliefert werden, während Neonazis mit Fahnen auf dem Kreisel triumphierend trohnten. Immer wieder kam es am Rande der neuen Route zu weiteren Bedrohungen und Angriffen seitens der Neonazis. „Die Polizei war vollkommen überfordert, teilweise fehlte jegliche Abstimmung unter den Beamten und man konnte beobachten, wie Führungskräfte sich untereinander anschrien und keiner so richtig wusste, wie es nun weiter gehen soll“ schildert Danzer.

Fazit
„Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Planung von Versammlungsbehörde und Polizei im Hinblick auf das bundesweit größte Neonazi-Spektakel an diesem Tag in Saalfeld, dessen Durchführung, sowie An- und Abreise, völlig unverantwortlich waren und dadurch Gewalttaten durch Neonazi-Gruppen in Saalfeld begünstigte oder mindestens billigend in Kauf genommen wurden. Statt die Neonazi-Straftäter festzunehmen oder wenigstens Identitätsfeststellungen durchzuführen, wurden die Anhänger des ‚Dritten Weges‘ am 1. Mai in Saalfeld sogar noch mit drei Demonstrationen belohnt“ so Ines Danzer. Auch Sprecher Thomas Endter meint „Im Vorfeld unserer Demonstration haben sich alle Gruppen äußerst kooperativ bei der Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden gezeigt. Umso enttäuschter und verbitterter sind wir jetzt darüber, wie lax mit den offenkundig gewalttätigen/-bereiten Neonazis während ihrer Randale, „Warm- Ups“ und ihres von Gewalt geprägten Aufmarsches umgegangen wurde. Positiv hervorzuheben ist, dass sich über Tausend Menschen den Neonazis auf eine vielfältige Art und Weise entgegenstellten und für eine solidarische Gesellschaft eintraten. Aus zahlreichen Berichten im Nachgang erfuhren wir, dass viele Menschen in der Stadt froh waren, dass wenigstens antifaschistische Gruppen in der Nähe waren und sie damit vor weiteren Übergriffen in der Innenstadt schützen konnten, da stellenweise keine Polizeikräfte aufzufinden waren. Die Auswertung dieses Tages ist noch lange nicht zu Ende und bedarf noch einer weiteren Aufarbeitung. Das Bündnis „Zivilcourage und Menschenrechte“ möchte gerne mit allen demokratischen Akteur_innen des Tages ins Gespräch kommen. Vor allem gilt es künftig sicherzustellen, dass die Zivilgesellschaft von ihrem Recht Gebrauch machen kann, gegen demokratiefeindliche Ideologien protestieren zu können – mit einem Gefühl der Sicherheit und der körperlichen Unversehrtheit. Hier sind auch die Sicherheitsbehörden gefordert, entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Die im Bündnis vernetzten Menschen werden sich von der massiven Neonazi-Gewalt am 1. Mai nicht einschüchtern lassen, sondern weiterhin gegen neonazistische und andere menschenfeindliche Bestrebungen im Landkreis aktiv sein und umso mehr für eine weltoffene Gesellschaft werben.

Bündnis „Zivilcourage und Menschenrechte“ im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, 18. Mai 2015

Leser*innenbriefe aus der OTZ vom 16. Mai zum 1. Mai in Saalfeld

Zu der Berichterstattung in der Ostthüringer Zeitung „OTZ“ in Bezug auf den 1. Mai in Saalfeld wurden am 16. Mai zwei Leser*innenbriefe in selbiger veröffentlicht, beide Briefe liegen hier im Original vor:

Leserbrief zum Kommentar „Gesichter des 1. Mai“ und Bericht „Teilweise Ausschreitungen am 1. Mai“ von Wolfgang Schombierski, OTZ vom 04. Mai 2015:

Das rechte Lager demonstrierte mit „markigen Sprüchen“, so drückt sich Wolfgang Schombierski in seinem Kommentar vom 04.Mai 2015 aus. Da frage ich mich, ob er sich je mit den Inhalten der Partei der III. Weg auseinandergesetzt hat. Wohl kaum, ansonsten könnte er diese nicht so lapidar abtun. Dabei kann man sich bereits durch eine oberflächliche Google-Suche sehr schnell ein Bild dieser Organisation machen, so man will. Kostprobe gefällig? Inhaltlich fordert die Kleinstpartei in nationalsozialistischer Tradition die „Wiederherstellung Gesamtdeutschlands in seinen völkerrechtlichen Grenzen“, die „Erhaltung […] der biologischen Substanz des Volkes“, „die Pflicht zur Arbeit“ sowie „die Schaffung eines Deutschen Sozialismus“. In der geplanten Rede des Parteivorsitzenden Klaus Armstroff zum 1. Mai wäre u.a. zu hören gewesen „Bis 2015 haben sich mindestens 20 Millionen Art- und Raumfremde hier in unserer deutschen Heimat eingenistet“. Herr Schombierski, wie kommen Sie dazu, nationalsozialistisches Gedankengut als markige Sprüche abzutun?? Und wie würden Sie das Zeigen des „Hitlergrußes“ in den Straßen Saalfelds bezeichnen? Als „gymnastische Übung“? (Nachzusehen u.a. beim MDR).
Von dem von Neonazis verübten Überfall mit schwerer Körperverletzung in der Saalstraße distanzieren Sie sich durch die Verwendung von Ausdrücken wie „angeblich“ bzw. „soll“ sich zugetragen haben. Abgesehen davon, dass Sie sich billiger Polemik bedienen, vermitteln Sie dem Leser, dass es sich hierbei durchaus um Märchen handeln könne. Es gibt mindestens 2 Augenzeugenberichte und eine Videoaufnahme die den Überfall bezeugen. Wäre es im Sinne einer fundierten journalistischen Recherche nicht angebracht gewesen, diesen Quellen nachzugehen?
Herr Schombierski, Ihr Kommentar  und Bericht sind ein Schlag ins Gesicht der über 1000 Menschen die sich für eine solidarische Gesellschaft, Vielfalt und Weltoffenheit statt Neonazismus und Fremdenhass am 1. Mai in Saalfeld quer gestellt haben.

04. Mai 2015

Ein weiterer Leser der OTZ schrieb einen Leser*innenbrief in Bezug auf den Kommentar von Thomas Spaniers „Der Preis der Freiheit“.

Auch ich beuge wie Herr Spanier zunächst Missverständnissen vor: das Verhalten bestimmter Gegendemonstranten war erschreckend und unwürdig. Herr Spanier betont, die Nazis würden die Grundlagen unserer Freiheit zerstören, wenn sie nur die Macht dazu hätten. Aber anstelle mit seinen Möglichkeiten dafür zu werben, dass sich mehr Menschen der Region gegen dieses Bestreben engagieren, begeistert er sich für den Vorschlag, „beide Gruppen mögen das nächste Mal im Großtagebau Kamsdorf demonstrieren“. Er verliert kein Wort darüber, dass sich Landrat und die Bürgermeister des Städtedreiecks an die Spitze der Protestdemonstration gestellt haben. Die von den Nazis krankenhausreif geschlagenen Antifas, die sich nicht einmal ansatzweise danebenbenommen hatten, sind ihm keine Silbe wert. Den Naziaufmarsch adelt er mit dem Prädikat „Preis der Freiheit“. Es ist nicht der Preis der Freiheit, sondern das Versagen des Rechtsstaates, der der Nachfolgeorganisation einer verbotenen Neonazi- Struktur die Straßen Saalfelds überlassen hatte. Gut, dass es Menschen gibt, die das Verfassungsprinzip der WEHRHAFTEN Demokratie auch mit Mitteln des zivilen Ungehorsams stützen ( Alkohol und Randale gehören selbstverständlich nicht dazu). Zum Schluss geriert sich Herr Spanier als Opfer eines eingebildeten rot-rot-grünen Denkverbots und bekommt für diesen kalkulierten Unsinn Zustimmung auf der OTZ- Kommentarseite. Er meint, er sähe sich als Journalist gut beraten, sich von keiner Seite vereinnahmen zu lassen. Dabei ist er schon vereinnahmt: von denen, die ihm für die journalistische Diskreditierung des Protestes gegen den Neonazi-Aufmarsch Beifall zollen.

14. Mai 2015

Die Leser*innenbriefe sind hier im Original abgebildet.

Vorbereitungen laufen auf Hochtouren – am Freitag gemeinsam gegen den Naziaufmarsch / Weiteres Update

"Was erwartet uns am 1. Mai"? Bild von der Veranstaltung am 25. Mai im Stadtmueum
„Was erwartet uns am 1. Mai“? Bild der Veranstaltung am 25. Mai im Stadtmuseum

„Der angekündigte Neonazi-Aufmarsch steht uns kurz bevor, die Protestvorbereitungen laufen auf Hochtouren und die äußerst rechte Szene mobilisiert bundesweit für Saalfeld“ informiert Thomas Endter, Sprecher vom Bündnis „Zivilcourage und Menschenrechte“ zwei Tage vor dem 1. Mai.

Bisher hüllen sich die Behörden noch in Schweigen was die geplante Route des Neonazi-Aufmarsches anbelangt. Verschiedene Hinweise und eine Reihe an Parkverbotsabsperrungen im Bereich rund um die gesamte Sonneberger Straße sowie im Bereich rund um die Helenenstraße verstärken den bisherigen Eindruck, dass sich der Aufmarsch der Neonazi-Partei „Der Dritte Weg“ dort zutragen könnte.

„Die Neonazi-Szene mobilisiert unterdessen bundesweit nach Saalfeld. Anreisende Neonazis werden bislang neben Thüringen und Bayern vor allem auch aus Sachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Baden-Württemberg, aber auch aus anderen Bundesländern und vereinzelt aus dem Ausland erwartet, teils durch organisierte Busfahrten“ so Thomas Endter, der außerdem auf Kundgebungen und Flugblattverteilaktionen in anderen Bundesländern verweist, die für den Aufmarsch in Saalfeld werben.

„Es ist wichtig, nicht wegzuschauen, sondern an diesem Tag mitzumachen und klare Position für eine vorurteilsfreie Demokratie und gegen die Naziideologie auf verschiedensten Wegen zu beziehen“ so Endter. Das Saalfelder Vorbereitungsbündnis verweist auf die Fülle von Angeboten und Anlaufpunkten, die an diesem Tag für eine weltoffene, solidarische und vielfältige Gesellschaft plädieren und sich gegen den Neonazi-Aufmarsch positionieren. Darunter zählen, neben der Demonstration und der Demokratiemeile, auch andere Kundgebungen und Feste. Die Bürgermeister des Städtedreiecks aus Saalfeld, Rudolstadt und Bad Blankenburg sowie der Landrat nehmen an den Protesten teil.

Die Polizei wird an diesem Tag in Saalfeld stark präsent und um Trennungen der verschiedenen Versammlungen bemüht sein , Protest in Hör- und Sichtweite muss dennoch gewährleistet werden. Jeder hat das Recht, seine gegensätzliche Meinung auch nahe dem Aufmarsch kundzutun. Ines Danzer vom Bündnis verweist außerdem auf Möglichkeiten des Zivilen Ungehorsams und die Ergebnisse einer Veranstaltung zum Versammlungsrecht am letzten Wochenende im Stadtmuseum: „Sich auf die Wegstrecke der Neonazis setzen und zivilen Ungehorsam ausüben, das stellt formal eine Ordnungswidrigkeit dar und ähnelt einem Falschparken. Wie der Vorsitzende des Innenausschusses im Thüringer Landtag am Wochenende jedoch darlegte, sei ihm eine Ahndung in den letzten Jahren in Thüringen nicht bekannt.“

Letztendlich sei auch die Anzahl jener Menschen ausschlaggebend, die sich den Neonazis entgegenstellen. „Je mehr Menschen auf die Straße gehen und sich beteiligen, umso höher sind auch die Erfolgsaussichten, die rassistischen Hassparolen durch die ganze Stadt zu unterbinden“ so Frau Danzer vor dem Hintergrund des Polizeihandelns bei etwaigen Sitzblockaden (Abwägung/Verhältnismäßigkeit bei etwaiger Räumung).

Weil die Vielzahl von Versammlungslagen und Protesten sich am Freitag dynamisch entwickeln kann, wird auch der Kurznachrichtendienst Twitter empfohlen. Unter den Hashtags #1maislf und #saalfeld werden dort eine Reihe an Echtzeitmeldungen gesammelt. Beginnen werden die Gegenproteste zwischen 9 und 10 Uhr, während die Neonazi-Versammlung um 11 Uhr starten soll. Detaillierte Informationen hierzu können unter www.saalfeld-stellt-sich-quer.de eingesehen werden.

Der Grenzenlos. Verein für Menschenrechte e.V. lädt außerdem zu einer Nachttanzdemonstration am Vorabend des 1. Mai unter dem Titel „Refugees Welcome! Racists and nazis not!“ ein. Beginn ist 19:00 Uhr am Saalfelder Bahnhof.

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Infoveranstaltung 25.04.2015: »Was erwartet uns am 1. Mai?«

Normalerweise läuft der 1. Mai mit den zwei Festen im Dürer- und Schlosspark eher ruhig ab. In diesem Jahr wird allerdings einiges anders. Mehrere Hundert Neonazis aus der Region und aus Deutschland reisen an, um ihre Hassparolen zu skandieren. Dagegen mobilisiert ein breites Vorbereitungsbündnis vielfältige Proteste, um deutlich zu machen, dass Rassismus und NS-Verherrlichung keinen Platz in unserer Gesellschaft haben.

Doch was passiert am 1. Mai genau? Wo sind Veranstaltungen? Welche Protestformen gibt es? Wie kann ich mich einbringen? Was bedeutet „Ziviler Ungehorsam“ (z.B. auf die Straße setzen oder stehen bleiben) und wie geht die Polizei damit um? Darüber informiert das Bündnis „Zivilcourage und Menschenrechte“ am Samstag im Stadtmuseum.

Im Podium anwesend sind Thomas Endter (Bündnissprecher), Bernhard Hecker (DGB Saalfeld-Rudolstadt), Stefan Heerdegen (MOBIT e.V. – Mobile Beratung Thüringen) und der Versammlungsrechtsexperte Steffen Dittes (Vorsitzender des Innenausschusses im Thüringer Landtag).

Zu dieser Veranstaltung laden wir alle Interessierten ein.

Beginn: 14 Uhr
Ort: Stadtmuseum Saalfeld, Vortragsraum, Münzplatz 5, 07318 Saalfeld/Saale
Der Eintritt ist kostenfrei.

Entsprechend § 6 Abs. 1 VersG sind Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, von der Veranstaltung ausgeschlossen.

Infoveranstaltung 17.04.2015: Was steckt hinter der Neonazi-Partei „Der Dritte Weg“ und dem Vorläufer „Freies Netz Süd“?

Am 1. Mai 2015 wollen mehrere Hundert Neonazis durch Saalfeld marschieren. Organisiert wird der Aufmarsch von der aus Bayern stammenden Neonazi-Partei „Der Dritte Weg“ mit Unterstützung der extrem rechten Szene aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Hinter dem „Dritten Weg“ steckt der im Jahr 2014 durch das bayrische Staatsministerium des Inneren verbotene Kameradschaftsverbund „Freies Netz Süd“ (FNS). Beide Gruppen sind personell, inhaltlich und im Auftreten weitestgehend identisch. „Der Dritte Weg“ versucht sich als radikalere Alternative zur NPD zu inszenieren und tritt noch offener mit Bezügen zum Nationalsozialismus auf.

Am Freitag, dem 17. April 2015, laden wir daher zu einer Infoveranstaltung ein. Ein Referent der Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München e.V. (a.i.d.a.) wird nach Saalfeld kommen und über jene Strukturen informieren, die am 1. Mai auch den Aufmarsch organisieren.

Beginn: 18 Uhr
Ort: Stadtmuseum Saalfeld, Vortragsraum, Münzplatz 5, 07318 Saalfeld/Saale

Entsprechend § 6 Abs. 1 VersG sind Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, von der Veranstaltung ausgeschlossen.

Aufruf zum Protest am 1. Mai 2015 in Saalfeld

1. Mai 2015 – Saalfeld stellt sich quer – Gemeinsam gegen den Naziaufmarsch

querFür den 1. Mai 2015 mobilisiert die Neonazi-Szene zu einer überregionalen Demonstration nach Saalfeld. Die äußerst rechte Partei „Der Dritte Weg“ und die Neonazi-Szene im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt wollen mit mehreren Hundert Anhängern durch die Innenstadt marschieren, um dort ihre menschenfeindlichen Parolen zu verbreiten. Das nehmen wir nicht hin und rufen dazu auf, am 1. Mai, aber auch an allen anderen Tagen im Jahr, eine klare Position zu beziehen und Zivilcourage zu zeigen. Wir sagen Nein zum Verharmlosen, Wegschauen und Verschweigen und treten für eine weltoffene Gesellschaft ein, in der rassistische, nationalistische, sexistische, antisemitische Positionen und andere Formen der Diskriminierung keinen Platz haben.

Kein „importiertes“ Problem – Neonazi-Szene im Landkreis

Während in den 1990ern Neonazis in der Region sehr offensiv auftraten, haben sich die Erscheinungs– und Organisationsformen in den letzten Jahren phasenweise geändert. Statt große öffentlichen Aktionen fanden vor allem konspirative Musikveranstaltungen und Treffen, Bedrohungen und Schmierereien statt. Seit dem Auffliegen des „Nationalsozialistischen Untergrundes“ (NSU) 2011 erweiterten sich die Aktivitäten auch auf Unterstützungs- und Geldsammelaktionen für den inhaftierten mutmaßlichen NSU-Helfer Ralf Wohlleben, welche maßgeblich aus dem Landkreis heraus ausgingen. Zudem existieren Überschneidungen mit Rockergruppierungen und Bereichen der organisierten Kriminalität. Alleine in den letzten fünf Jahren führten Strafverfolgungsbehörden mehrfach Ermittlungen gegen lokale Neonazis wegen dem illegalen Besitz von Schusswaffen sowie geplanten (Brand-)Anschlägen und anderen Gewalttaten durch. Öffentlich wahrnehmbarer hingegen traten jene Menschenfeinde mit Flugblattaktionen und Internetbeiträgen in sozialen Netzwerken in Erscheinung, wodurch sie größere Reichweiten erzielen konnten. Bei zurückliegenden Wahlen stachen die Ergebnisse von rechtspopulistischen und äußerst rechten Parteien im Landkreis heraus, wie die der NPD, welche sowohl bei der Landtagswahl 2009 als auch 2014 -trotz landesweitem Abwärtstrend- bei über 6% (Wahlkreisstimme, NPD) lagen.

Ressentiments auch in der Mitte der Gesellschaft

Die neonazistische Szene ist jedoch nur ein Teil des Problems. Nicht weniger schlimm ist die Verbreitung rassistischer Positionen in der Mitte der Gesellschaft. Die jährliche Thüringen Monitor-Studie kam für das Jahr 2014 zu dem Ergebnis, dass knapp die Hälfte (48%) der Thüringerinnen und Thüringer Deutschland für „gefährlich überfremdet“ halten, obwohl der Anteil von Ausländern, gemessen an der Gesamtbevölkerung Thüringens, nur bei 2,3% liegt. Ein Drittel denkt, Ausländer kämen nur, „um den Sozialstaat auszunutzen“; fast gleich viele unterscheiden Menschen in wertvolles und unwertes Leben; jeder sechste sieht gute Seiten im Nationalsozialismus und jeder Siebte hält eine Diktatur für die bessere Staatsform. Die Diskussionen um Unterkünfte geflüchteter Menschen im Landkreis, aber auch in Internetkommentarspalten von Lokalzeitungen, sprechen hier Bände und spiegeln die Ergebnisse der Studie eindrucksvoll wider. Nachdem bekannt wurde, dass eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende in Rudolstadt eingerichtet werden könnte, sprossen dubiose Bürgerinitiativen aus dem Boden, flankiert von Plakaten und entsprechender Stimmungsmache. Als 2014 kurzfristig in Saalfeld-Unterwellenborn eine Unterkunft errichtet wurde, folgten Bedrohungen, Sachbeschädigungen und Hetzschriften, während bei Diskussionen zum Thema nicht selten Flüchtlinge zu Objekten degradiert und zur Projektionsfläche des Wohlstandschauvinismus wurden.

Für eine weltoffene, vielfältige und solidarische Gesellschaft

Die Demonstration von „Dritten Weg“ am 1. Mai in Saalfeld richtet sich unter anderem gegen eine vermeintliche „Überfremdung“, fordern wollen sie außerdem ein „Ausländerrückführungsprogramm“, kündigten die Veranstalter vom „Dritten Weg“ selbst an. Bei der Partei handelt es sich um eine Ersatzstruktur für den im Jahr 2014 verbotenen Verbund von neonazistischen Kameradschaften namens „Freies Netz Süd“. Der „Dritte Weg“ inszeniert sich als wesentlich radikalere Alternative zur NPD und knüpft noch offener an die NS-Ideologie an. Seit über einem Jahr verfolgt die ursprünglich aus Bayern stammende Partei Expansionsbestrebungen und will auch in Thüringen sesshaft werden. Unter den geplanten Rednern befinden sich Führungspersonen vom „Dritten Weg“ sowie verurteilte rechtsradikale Schläger und Holocaustleugner. Wir wollen diesen Neonazi-Aufmarsch nicht widerspruchslos hinnehmen und sagen Nein zu Neonazismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in unserer Region und anderswo. Gemeinsam mit den unterschiedlichsten Akteuren wollen wir einstehen für eine vielfältige und weltoffene Gesellschaft. Geflüchtete Menschen aus anderen Ländern verdienen unseren Schutz und unsere Solidarität statt blanken Hass und Ausgrenzung. Egal ob am Stammtisch, auf Facebook oder bei derartigen Aufmärschen – wir widersetzen uns Ideologien der Ungleichwertigkeit des menschlichen Lebens im öffentlichen, politischen und kulturellen Raum. Neonazis und anderen Menschenfeinden treten wir entschlossen entgegen. Dabei respektieren wir die unterschiedlichen Aktionsformen vom Zeichen setzen, über kreativen Protest bis hin zum zivilen Ungehorsam. Wir wollen keinen Naziaufmarsch in Saalfeld und werden dies am 1. Mai bunt, lautstark und vielfältig deutlich machen.

Für den 1. Mai gibt es in Saalfeld u.a. folgende Anlaufpunkte (vorläufig):

Veranstaltungen am 1. Mai in Saalfeld gegen den Nazi-Aufmarsch

UhrzeitWasWo
9 UhrGroß Demonstration „Für eine solidarische Gesellschaft, Vielfalt und Weltoffenheit statt Neonazimus und Fremdenhass“ - „Saalfeld stellt sich quer“Bahnhof Saalfeld Richtung Innenstadt
ab 9 UhrDürerparkfest (mit Nachmittagsprogramm)Dürerpark
ab 9 UhrInfopoint / Kundgebung SchlossparkSchlosspark
ab 9 UhrAn der Scholl-SchuleKundgebung zum Gedenken an die Geschwister Scholl
ab 9 Uhr„Garten der Demokratie“ (Grüne)Saumarkt
ab 9 UhrOffene Johanneskirche, zu jeder vollen Stunde eine ökumenische PredigtJohanneskirche Saalfeld
ab 10 UhrDemokratiemeile und DGB-Veranstaltung „Die Arbeit der Zukunft gestalten wir“Obere Straße, Blankenburger Straße, Teil des Marktplatzes
ab 10 UhrStraßenfest GorndorfAlbert Schweitzer Straße
ab 10.30 UhrBrunch der Kirchen SaalfeldKirchplatz vor der Johanneskirche Saalfeld

Aufruf vom Bündnis „Zivilcourage und Menschenrechte“ im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt & Vorbereitungskreis 1. Mai

Aktuelle Informationen zum geplanten Neonaziaufmarsch

Aktuelle Informationen zu den geplanten Protestaktionen

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