Leser*innenbriefe aus der OTZ vom 16. Mai zum 1. Mai in Saalfeld

Zu der Berichterstattung in der Ostthüringer Zeitung „OTZ“ in Bezug auf den 1. Mai in Saalfeld wurden am 16. Mai zwei Leser*innenbriefe in selbiger veröffentlicht, beide Briefe liegen hier im Original vor:

Leserbrief zum Kommentar „Gesichter des 1. Mai“ und Bericht „Teilweise Ausschreitungen am 1. Mai“ von Wolfgang Schombierski, OTZ vom 04. Mai 2015:

Das rechte Lager demonstrierte mit „markigen Sprüchen“, so drückt sich Wolfgang Schombierski in seinem Kommentar vom 04.Mai 2015 aus. Da frage ich mich, ob er sich je mit den Inhalten der Partei der III. Weg auseinandergesetzt hat. Wohl kaum, ansonsten könnte er diese nicht so lapidar abtun. Dabei kann man sich bereits durch eine oberflächliche Google-Suche sehr schnell ein Bild dieser Organisation machen, so man will. Kostprobe gefällig? Inhaltlich fordert die Kleinstpartei in nationalsozialistischer Tradition die „Wiederherstellung Gesamtdeutschlands in seinen völkerrechtlichen Grenzen“, die „Erhaltung […] der biologischen Substanz des Volkes“, „die Pflicht zur Arbeit“ sowie „die Schaffung eines Deutschen Sozialismus“. In der geplanten Rede des Parteivorsitzenden Klaus Armstroff zum 1. Mai wäre u.a. zu hören gewesen „Bis 2015 haben sich mindestens 20 Millionen Art- und Raumfremde hier in unserer deutschen Heimat eingenistet“. Herr Schombierski, wie kommen Sie dazu, nationalsozialistisches Gedankengut als markige Sprüche abzutun?? Und wie würden Sie das Zeigen des „Hitlergrußes“ in den Straßen Saalfelds bezeichnen? Als „gymnastische Übung“? (Nachzusehen u.a. beim MDR).
Von dem von Neonazis verübten Überfall mit schwerer Körperverletzung in der Saalstraße distanzieren Sie sich durch die Verwendung von Ausdrücken wie „angeblich“ bzw. „soll“ sich zugetragen haben. Abgesehen davon, dass Sie sich billiger Polemik bedienen, vermitteln Sie dem Leser, dass es sich hierbei durchaus um Märchen handeln könne. Es gibt mindestens 2 Augenzeugenberichte und eine Videoaufnahme die den Überfall bezeugen. Wäre es im Sinne einer fundierten journalistischen Recherche nicht angebracht gewesen, diesen Quellen nachzugehen?
Herr Schombierski, Ihr Kommentar  und Bericht sind ein Schlag ins Gesicht der über 1000 Menschen die sich für eine solidarische Gesellschaft, Vielfalt und Weltoffenheit statt Neonazismus und Fremdenhass am 1. Mai in Saalfeld quer gestellt haben.

04. Mai 2015

Ein weiterer Leser der OTZ schrieb einen Leser*innenbrief in Bezug auf den Kommentar von Thomas Spaniers „Der Preis der Freiheit“.

Auch ich beuge wie Herr Spanier zunächst Missverständnissen vor: das Verhalten bestimmter Gegendemonstranten war erschreckend und unwürdig. Herr Spanier betont, die Nazis würden die Grundlagen unserer Freiheit zerstören, wenn sie nur die Macht dazu hätten. Aber anstelle mit seinen Möglichkeiten dafür zu werben, dass sich mehr Menschen der Region gegen dieses Bestreben engagieren, begeistert er sich für den Vorschlag, „beide Gruppen mögen das nächste Mal im Großtagebau Kamsdorf demonstrieren“. Er verliert kein Wort darüber, dass sich Landrat und die Bürgermeister des Städtedreiecks an die Spitze der Protestdemonstration gestellt haben. Die von den Nazis krankenhausreif geschlagenen Antifas, die sich nicht einmal ansatzweise danebenbenommen hatten, sind ihm keine Silbe wert. Den Naziaufmarsch adelt er mit dem Prädikat „Preis der Freiheit“. Es ist nicht der Preis der Freiheit, sondern das Versagen des Rechtsstaates, der der Nachfolgeorganisation einer verbotenen Neonazi- Struktur die Straßen Saalfelds überlassen hatte. Gut, dass es Menschen gibt, die das Verfassungsprinzip der WEHRHAFTEN Demokratie auch mit Mitteln des zivilen Ungehorsams stützen ( Alkohol und Randale gehören selbstverständlich nicht dazu). Zum Schluss geriert sich Herr Spanier als Opfer eines eingebildeten rot-rot-grünen Denkverbots und bekommt für diesen kalkulierten Unsinn Zustimmung auf der OTZ- Kommentarseite. Er meint, er sähe sich als Journalist gut beraten, sich von keiner Seite vereinnahmen zu lassen. Dabei ist er schon vereinnahmt: von denen, die ihm für die journalistische Diskreditierung des Protestes gegen den Neonazi-Aufmarsch Beifall zollen.

14. Mai 2015

Die Leser*innenbriefe sind hier im Original abgebildet.