Stand: 10. April 2015

Werbebanner für die 1. Mai-Demonstration vom FN Süd 2013 in Würzburg (Kundgebung in Kitzingen, Foto: Johannes Hartl)Werbebanner für die 1. Mai-Demonstration vom FN Süd 2013 in Würzburg (Kundgebung in Kitzingen, Foto: Johannes Hartl)

Was passiert am 1. Mai ?

Neonazis knüpfen seit Jahren mit eigenen Aufmärschen an den 1. Mai an und versuchen mit sozialen Themen und vorgeblicher Kapitalismuskritik Anhängerinnen und Anhänger zu gewinnen. In Saalfeld wollen sie auch gegen eine vermeintliche Überfremdung protestieren. Geplant ist ein Demonstrationszug mit Lautsprcherwagen durch die Stadt und mehreren Zwischenkundgebungen.

Wer organisiert die Demonstration?

Die Neonazi-Partei der „Dritte Weg“, welche sich als noch radikalere Alternative zur NPD inszeniert und noch offener mit NS-Bezügen auftritt. Die Partei ist der Schutzschirm des 2014 verbotenen Neonazi-Kameradschaftsverbundes „Freies Netz Süd“ (FNS) und inhaltlich, programmatisch und personell weitgehend identisch. Unterstützt wird die Partei auch durch Neonazis aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt und durch parteifreie neonazistische Organisationen in der Region. Ein paar Infos zum „Dritten Weg“ hatten wir an dieser Stelle (Link) bereits bereit gestellt. Dass diese Partei besonders widerlich agiert, offenbarte auch ihre jüngste Veröffentlichung vom 6. April 2015 unter dem Titel „Nach Brandanschlag bleibt Tröglitz asylantenfrei“ in welcher der Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Sachsen-Anhalt und weitere Anschläge indirekt abgefeiert wurden, weil damit „den Anwohnern der Zuzug von Asylanten erspart blieb(e)“. Anmelder der Demonstration sind der Parteichef Klaus Armstroff aus Rheinland-Pfalz und Rico Döhler, Stützpunktleiter der Partei aus dem Vogtland. Unter den für Saalfeld angekündigten Rednern befinden sich verurteilte Nazischläger, Volksverhetzer und Holocaustleugner.

Wer besucht die Nazi-Demo?

In der Regel finden bundesweit verteilt am 1. Mai eine Hand voll Aufmärsche statt, bei denen entsprechend benachbarte Regionen und Bundesländer andocken. Vier Wochen vor dem Tag der Arbeit sind bislang Aufmärsche in Nordrhein-Westfalen (Mönchengladbach: NPD; Essen: Die Rechte), Mecklenburg-Vorpommern (Neubrandenburg: NPD) und in Rheinland-Pfalz (Worms: NPD) bekannt. Für den mittel, ost- und süddeutschen Raum bisher nur Thüringen, wo seit Jahresanfang die extrem rechte Partei „Der Dritte Weg“ nach Saalfeld mobilisiert. Wenig später meldete auch die NPD eine Konkurrenz-Veranstaltung in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt für den 1. Mai an, wo am 2. Mai auch ein großer Aufmarsch von Hooligans und rechter Szene stattfinden soll. An diesem ersten Maiwochenende wird daher eine äußerst gewaltbereite, offen neonazistisch auftretende und nicht geringe Menge organisierter Neonazis und Hooligans in Thüringen unterwegs sein.

Wie viele Neonazis sind zu erwarten?

Bei der 1. Mai Demonstration vom „Dritten Weg“ in Würzburg am 1. Mai 2013 nahmen 350 Neonazis teil, am 1. Mai 2014 in Plauen waren es bereits 600. Weil in den Nachbarländern von Thüringen keine 1. Mai Demos der extrem rechten Szene stattfinden, ist ein Zustrom von dort möglich, entsprechende Mobilisierungsaktionen  laufen bereits. Die konkurrierenden Organisationen NPD und Dritter Weg werden ihre Parteianhänger mobilisieren, offen ist noch wie sich das Kameradschaftsspektrum zerteilt. Angemeldet hat der „Dritte Weg“ 200 Personen für Saalfeld, realistischer erscheinen jedoch 300-600. Inzwischen gibt es auch Ankündigungen von Anreisen aus dem Ausland (Österreich, Schweiz) und organisierte Busanreisen, z.B. aus Niederbayern und München.

Wo befinden sich die Nazis in Saalfeld?

Die Ursprungsanmeldung gilt für 11 Uhr Marktplatz, 12 Uhr Beginn. Inzwischen gibt der „Dritte Weg“ jedoch für Neonazis die per Zug anreisen die Aufforderung heraus, sich „bitte pünktlich um 11.00 Uhr am Bahnhof von Saalfeld“ einzufinden. Außerdem liegt der Hinweis vor, dass deren Auftakt- und Route vom Markt ca. 1km südwestlich innerhalb der Stadt verschoben werden könnte, um nahe des LIDL-Marktes (Melanchthonstraße) zu starten.  Bisher gibt es noch keine endgültige Route, auch andere Szenarien, wie ein Ausweichen in den Stadtteil Gorndorf am Ostende der Stadt sind denkbar.

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Update: In einer Pressemitteilung am 29.4. haben wir darauf hingewiesen, dass die Bereiche Sonneberger Straße und Helenenstraße (untere Parallelstraße zur Breitscheidstr.) sehr wahrscheinlich Teil der geplanten Neonazi-Route sind. Seit dem 30.4. steht nun fest: Die Neonazis wollen sich 11 Uhr an der Kreuzung Sonneberger Straße / Pfortenstraße (B281) treffen, um sich dann 12 Uhr in Bewegung zu setzen und über die Sonneberger Straße Richtung Heinrich-Böll Gymnasium & Helenenstraße zu laufen.

Weitere Informationen zu den Protesten und eine Karte mit eingezeichneten Gegenveranstaltungen.

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