Veranstaltung über Symbolik, Codes und Outfits der Neonazis

Am Montag dem 16. März 2015 veranstaltet das Bündnis „Zivilcourage und Menschenrechte“ im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt eine Informationsveranstaltung mit dem Titel:  „Wie erkenne ich heute noch einen Neonazi? Zeichensprache der extremen Rechten – Symbolik, Codes und Outfits“.

Zu Beginn der 90er Jahre war das Bild des neonazistischen Skinheads so bekannt wie allgegenwärtig. Wenngleich dieses Erscheinungsbild nicht gänzlich verschwunden ist, haben sich Auftreten, Kleidung und Symbolik der extremen Rechten gewandelt. Die Szene trägt  jugend-typische Kleidung, die oftmals erst bei genauem Hinsehen Erkennungszeichen der extremen Rechten aufweist.

Doch hinter dem veränderten Lifestyle verbirgt sich mehr als ein neu entdeckter Hang zur Modernität. Gerade die strafrechtlichen Sanktionen gegen Kennzeichen der NS-Zeit haben die neonazistische Szene zu einem „Versteckspiel“ genötigt, das mittlerweile überraschend kreative Blüten treibt. Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird jetzt eine breite Palette an subkulturellen Bezügen geboten, mit dem sie sich identifizieren können und die sie für die rechte Szene ansprechbar machen können.

Ein Referent der Mobilen Beratung Thüringen (MOBIT) wird dazu am Montag in Saalfeld über neue Symbole und Erscheinungsformen der extremen Rechten berichten. Die Veranstaltung findet um 18 Uhr im Jugend- und Stadtteilzentrum Gorndorf statt. Der Eintritt ist kostenfrei.

Entsprechend § 6 Abs. 1 VersG sind Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, von der Veranstaltung am ausgeschlossen.

Informationen zum Neonazi-Aufmarsch am 1. Mai

Das Bündnis „Zivilcourage und Menschenrechte“ im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt (ZUMSARU) informiert darüber, dass am 1. Mai 2015 in der Stadt Saalfeld ein überregionaler Neonazi-Aufmarsch geplant ist. „Wir werden es nicht mit einem kleinen Häufchen von 20 NPD-Anhängern wie im Landtagswahlkampf zu tun haben, sondern mit mehreren Hundert  gewaltbereiten Neonazis, die mit einem Demonstrationszug durch Saalfeld marschieren wollen“ so Thomas Endter, Sprecher des Bündnisses.

Bei den Organisatoren handelt es sich um Anhänger der neonazistischen Partei „Der dritte Weg“, welche sich als noch radikalere Alternative zur NPD inszeniert und auch bei Neonazis in Thüringen auf großes Interesse stößt. Jährlich findet an wechselnden Orten ein Aufmarsch der Parteispitze statt. 2013 kamen 350 Nazis nach Würzburg, 2014 nach Plauen bereits 600. Vor diesem Hintergrund und wegen mangelnder Konkurrenzveranstaltungen im mittel- und ostdeutschen Raum (nur in Erfurt findet eine NPD-Demo statt), geht das Bündnis davon aus, dass die beim Ordnungsamt durch die Veranstalter gemeldete Zahl der Teilnehmenden von 200 Personen noch übertroffen werden könnte.

„Noch bevor 2014 das Bayerische Staatsministerium des Innern den neonazistischen Kameradschaftsverbund „Freies Netz Süd“ verboten hatte, wurde durch deren Führungspersonal die Partei „Der dritte Weg“ als Schutzschirm gegründet, unter dem das selbe Personal aus den gewaltbereiten Gruppierungen nun als Nachfolgeorganisation weiter aktiv ist“ berichtet Thomas Endter.

Bei den angekündigten Rednern für den 1. Mai in Saalfeld handelt es sich im wesentlichen um das Führungspersonal des „Dritten Weges“. Darunter der Parteivorsitzende Klaus Armstroff, der in Rheinland-Pfalz ein Kreistagsmandat über NPD inne hat sowie der Stützpunktleiter der Partei in Nürnberg-Fürth, Kai Andres Z., der 2012 von einem bayrischen Landgericht wegen eines brutalen Überfalls auf einen Nazigegner zu 13 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt wurde. Außerdem dabei, der „Dritte Weg“ Stützpunktleiter Ostbayern, Walter S., der ebenfalls wegen einer Körperverletzung zu 3 Jahren Haft verurteilt wurde, weil er sein Opfer mit vielen Schlägen und 20 Tritten, hauptsächlich gegen den Kopf, malträtierte. Neben zwei Thüringer Neonazis soll auch ein ehemaliges Führungsmitglied der nationalistischen Schweizer Partei PNOS (Partei National Orientierter Schweizer) in Saalfeld sprechen, der als Holocaust-Leugner bekannt ist und das Tagebuch der Anne Frank als eine „geschichtliche Lüge“ bezeichnet. Überdies will auch noch Maik Eminger, Bruder des neben Beate Zschäpe in München angeklagten mutmaßlichen NSU-Helfers Andre Eminger, eine Rede halten. Maik Eminger war Vorsitzender der NPD-Jugendorgansation in Potsdam und bot seinem Bruder bis zur Verhaftung durch eine Spezialeinheit im November 2011 einen Unterschlupf. Auch Strukturen der äußerst rechten Szene in Saalfeld mobilisieren bereits mit Flyern und im Internet für die Demonstration.

„Wir werden diesen fremdenfeindlichen Aufzug nicht widerspruchslos hinnehmen und sagen Nein zu Neonazismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Egal ob in Erfurt oder in Saalfeld, wir laden alle Menschen zum 1. Mai dazu ein für eine vielfältige Gesellschaft, für Demokratie und Weltoffenheit einzustehen und sich gegen den Naziaufmarsch zu positionieren“, so Thomas Endter.

Das Bündnis plant bereits verschiedene Gegenaktivitäten, in den kommenden Wochen findet auch eine Veranstaltungsreihe mit Vorträgen und Diskussionen zum Thema statt.  Erste Veranstaltung: Montag, 16. März 2015 mit der Mobilen Beratung in Thüringen (MOBIT) zum Thema: „Wie erkenne ich heute noch einen Neonazi? Zeichensprache der extremen Rechten – Symbolik, Codes und Outfits“ im Jugend- und Stadtteilzentrum Gorndorf ab 18 Uhr.

Das Bündnis „Zivilcourage und Menschenrechte“ im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt (ZUMSARU) wurde im Herbst 2014 von Menschen aller Altersgruppen gegründet und umfasst engagierte Privatpersonen und Vertreter*innen aus Vereinen und Initiativen, Kirchen, Parteien, Jugendarbeit, Politik, Wirtschaft und Schulen. Es engagiert sich dafür, Menschen in unserer Region zu einem aktiven Eintreten für Weltoffenheit und Demokratie, gegen Rassismus und andere Formen von Diskriminierung zu motivieren. Informationen gibt es auch auf www.zumsaru.de.

Für Ende März 2015 ist eine Pressekonferenz in Saalfeld geplant.

Klausel:
Entsprechend § 6 Abs. 1 VersG sind Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, von der Veranstaltung am 16. März 2015 ausgeschlossen.

„Der Dritte Weg“ – Neonazi-Partei am 1. Mai in Saalfeld

Die Neonazi-Demonstration am 1. Mai in Saalfeld wird durch die Partei „Der Dritte Weg“ organisiert. 2013 in Heidelberg gegründet, etablierte sich die Partei vor allem in Bayern als Nachfolgerin des verbotenen „Freien Netzes Süd“. Inzwischen tritt die braune Partei aber auch immer öfter in Thüringen auf und tritt damit in offene Konkurrenz zur schwächelnden NPD.

Das Magazin „kontrovers“ informierte im Bayrischen Rundfunk mit einem Beitrag über den „Dritten Weg“:

Der Störungsmelder bei Zeit.de hat im Februar 2015 ebenfalls über den „Dritten Weg“ berichtet, der sich nun nach Thüringen ausbreitet:

„Der III. Weg“: Konkurrenz für die NPD in Thüringen

Ende September 2013 wurde im baden-württembergischen Heidelberg unter konspirativen Bedingungen die neue extrem rechte Partei „Der III. Weg“ aus der Taufe gehoben. Gegründet von dem ehemaligen rheinland-pfälzischen NPD-Funktionär Klaus Armstroff sollte sie insbesondere eine Konkurrenz zur NPD bilden, die unter den extrem rechten Parteien nach wie vor eine dominierende Rolle innehat. Im Gegensatz zu den „Nationaldemokraten“, die nach außen hin großen Wert auf ein seriöses Image legen, verfolgt „Der III. Weg“ deshalb in bewusster Abgrenzung einen deutlich radikaleren Kurs. So definiert sich die Partei beispielsweise selbst als „national-revolutionäre“ Gruppierung und bezeichnete ihr „Ziele“ in Anlehnung an das „25-Punkte-Programm“ der NSDAP als „Zehn-Punkte-Programm“. Inhaltlich fordert die Kleinstpartei in nationalsozialistischer Tradition außerdem die „Wiederherstellung Gesamtdeutschlands in seinen völkerrechtlichen Grenzen“, die „Erhaltung […] der biologischen Substanz des Volkes“, „die Pflicht zur Arbeit“ sowie „die Schaffung eines Deutschen Sozialismus“… Der Text kann hier auf der Seite von zeit.de weitergelesen werden.

(Bild: Youtube)